15'000 in Bern: «Parlamentarier, Hände weg von unseren Renten!»

Laut, bunt, friedlich und deutlich: Unter dem Motto «Hände weg von unseren Renten» haben rund 15'000 Menschen heute in Bern ein deutliches Zeichen gesetzt: Wir dulden keinen Renten-Abbau und sagen NEIN zur Erhöhung des Rentenalters! Die AHV 21-Reform zu Lasten der Frauen werden wir vehement bekämpfen!

Das war bewegend! 15'000 Menschen Personen haben an der Demo durch Berns Gassen und an der anschliessenden Kundgebung auf dem Bundesplatz ihre Wut deutlich zum Ausdruck gebracht.

Keine AHV-Reform auf Kosten der Frauen

Die Politik ignoriert die reale Rentensituation einer Mehrheit in der Schweizer Bevölkerung – insbesondere die Rentenlücke der Frauen. Bei der Pensionierung erhalten die Frauen ein Drittel weniger Rente als die Männer. Statt diese Ungleichheit zu korrigieren, will das Parlament die Frauen ein Jahr länger arbeiten lassen. Mit der AHV 21 hat das Parlament eine Reform auf Kosten der Frauen beinahe abgeschlossen.

NEIN zur Erhöhung des Rentenalters!

Die Bürgerlichen wollen, dass die Leute mehr und länger arbeiten. Mit der Reform AHV 21 wollen sie das Frauenrentenalter erhöhen. Und die nächste Initiative für Rentenalter 67 haben sie schon eingereicht. Wir sagen klar nein zur Erhöhung des Rentenalters.

Pensionskassen in der Krise

Auch bei der Reform der zweiten Säule sind die Aussichten düster. Die Renten der Pensionskassen sinken immer weiter. Ein weiterer Grund, die AHV zu stärken! Die AHV ist die solidarischste und günstigste Säule unseres Altersvorsorge-Systems. Denn die AHV kommt im Alter allen zugute. Ein Abbau liegt nicht drin – es braucht höhere Renten, damit alle Menschen in der Schweiz nach der Pensionierung in Würde leben können.

Wir sind wütend!

Unia-Präsidentin Vania Alleva bringt es in ihrer Rede auf dem Bundesplatz auf den Punkt: «Ich bin wütend, wir sind wütend. Wir wollen keine AHV-Revision auf dem Buckel der Frauen, wir wollen keine Revision, die keines der bestehenden Probleme der Frauen löst.»

Die Realität der Frauen

Als Gewerkschafterin ist Alleva tagtäglich mit der bitteren Realität von vielen Mitgliedern konfrontiert: «Sie kämpfen überproportional oft mit tiefen Löhnen, müssen vielfach Teilzeit arbeiten, auch wenn sie mehr arbeiten wollen, sie übernehmen den grossen Teil der unbezahlten Betreuungsarbeit und müssen jonglieren und schauen, wie sie alles unter einen Hut bringen!»

Die Stimmen der Betroffenen

An der Schlusskundgebung auf dem Bundesplatz kommen auch Betroffene zu Wort. Zwei Unia-Frauen schildern eindrücklich, warum der Entscheid der Politik ein Affront ist und warum sie diesen Rentenabbau vehement bekämpfen.

«Ein Leben lang diskriminiert»

Zuerst Eleonora, Präsidentin der Unia-Frauenkommission: «Wir sagen deutlich NEIN zu dieser Reform, die vor allem die Frauen bezahlen werden. Denn die Frauen – Arbeiterinnen, Studentinnen, Hausfrauen und Mütter, Rentnerinnen – leiden ihr ganzes Leben lang unter den Diskriminierungen durch ein krankes System. Ungleicher Lohn, Entlassungen während dem Mutterschaftsurlaub, unbezahlte Betreuungsarbeit – das sind nur ein paar Probleme, mit denen Frauen in der Arbeitswelt konfrontiert sind. Und nun sollen sie mit der AHV 21-Reform ein weiteres Opfer bringen – nicht mit uns!»

«Länger arbeiten – sicher nicht!»

Verkäuferin Clotilde kennt die Situation aus ihrem beruflichen Alltag nur zu gut: «Der Detailhandel ist eine Frauenbranche, die Löhne sind tief, Teilzeitarbeit – oftmals auch unfreiwillig – ist weit verbreitet. Die Arbeit ist hart, viele Kolleginnen werden krank. Und jetzt sollen wir noch ein Jahr mehr arbeiten? Das geht nicht – ich kämpfe heute gegen eine weitere Attacke gegen uns Frauen!» Ihr Appel an die bürgerlichen Parlamentarier: «Es braucht bessere Löhne und ein entschiedenes Vorgehen gegen Lohndiskriminierung – nicht die Erhöhung des Frauenrentenalters!»

Für die Demo mobilisiert haben die Gewerkschaften gemeinsam mit feministischen Streikkollektiven und politischen Parteien.