Vor dem 14. Juni und der «AHV 21»: Die Geduld ist am Ende!

Steigende Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen und eine skandalöse Frauenrentenlücke – zwei Jahre nach dem grossen Frauen*streik und eine Woche vor dem feministischen Streik vom 14. Juni sind Diskriminierungen weiter bittere Realität. Die Frauen sind wütend und gehen erneut auf die Strasse!

An der Medienkonferenz Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) legte Unia-Präsidentin Vania Alleva dar, was nötig ist, um bei der Gleichstellung endlich vorwärts zu machen und weshalb eine Rentenreform gegen die Frauen auf Wut und massiven Widerstand stossen wird.

Immer noch grosse Lohnunterschiede

Die Lohndiskriminierung besteht in allen Einkommensgruppen hartnäckig weiter und nimmt gemäss jüngster Statistik gar zu. Frauen verdienen in der Schweiz für die gleiche Arbeit im Schnitt 8,6 Prozent weniger als Männer. Im Gastgewerbe beträgt der Lohnunterschied 8,1 Prozent, im Detailhandel 17,7 Prozent, in der Maschinenindustrie 21,7 Prozent und im Kredit- und Versicherungsgewerbe gar 33,4 Prozent.

Essentielle Branchen aufwerten

Kommt dazu, dass Frauen oft in sogenannten weiblichen Berufen und vielfach in essentiellen Branchen arbeiten. Frauen müssen doppelt so häufig wie Männer mit einem Tieflohn durchkommen. Geleistet wird aber enorm viel, das hat sich gerade in der Corona-Pandemie gezeigt. Frauen arbeiten häufiger Teilzeit, oftmals unfreiwillig. Und nach wie vor sind es Frauen, die den Grossteil der unbezahlten Care-Arbeit im Betreuen und Pflegen von Angehörigen verrichten.

Frauen bei der Rente im Nachteil

Die Benachteiligungen im Erwerbsleben wirken sich direkt auf die Zeit danach aus: Frauen bekommen in der Schweiz mindestens einen Drittel weniger Rente als Männer. Verantwortlich dafür sind vor allem die 2. und 3.  Säule (AHV und Pensionskasse), in denen die Frauen massiv benachteiligt sind. Ein Drittel der Frauen muss im Alter ausschliesslich von der AHV leben und eine von sechs Frauen über 65 lebt in Armut.

Keine Rentenreform auf Kosten der Frauen!

Am 9. Juni berät der Nationalrat mit der «AHV 21» eine Abbauvorlage auf Kosten der Frauen. Für Unia-Präsidentin Alleva ist klar: «Zur bereits schwierigen Rentensituation der Frauen soll jetzt eine Erhöhung des Frauenrentenalters kommen, was faktisch zu einer Kürzung der sowieso schon tiefen Renten führen wird. Die «AHV 21» trägt den bestehenden Problemen nicht Rechnung, löst keines davon. Im Gegenteil, die Reform geht voll zulasten der Frauen und ist schlicht unzumutbar.»

Forderungen der Unia

  • Respekt für Frauen und ihre Arbeit, ob bezahlt oder unbezahlt.
  • In allen Branchen Löhne und Arbeitspensen, die ein anständiges Leben ermöglichen.
  • Überall, insbesondere in den kaum regulierten «essenziellen» Berufen des Dienstleistungssektors, allgemeinverbindliche Branchen-GAV, mit anständigen Mindestlöhnen und erträglichen Arbeitsbedingungen. Behörden und Arbeitgeber müssen sich endlich in diese Richtung bewegen
  • Eine AHV-Reform im Sinne auch der Frauen, nicht auf ihrem Buckel. Es braucht höhere Renten, keine Rentenaltererhöhung.

Respekt! Mehr Lohn, mehr Rente

Der 14. Juni steht vor der Tür. 50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts, 40 Jahre nach dem Verfassungsartikel zur Gleichstellung, 30 Jahre nach dem ersten Frauenstreik, 25 Jahre nach der Einführung des Gleichstellungsgesetzes und zwei Jahre nachdem über 500‘000 Menschen für die Gleichstellung auf die Strasse gegangen sind, verlangen wir mehr denn je: Respekt! Mehr Lohn, mehr Rente.

Die Unia am feministischen Streik vom 14. Juni

Am 14. Juni kämpft die Unia an der Seite der feministischen Kollektive. Unia-Aktionen sind um 15.19 Uhr geplant. Denn das ist der Zeitpunkt, ab dem die Frauen gratis arbeiten. Im Jahr 2019 war es noch 15.24 Uhr – die Lohnungleichheit hat also weiter zugenommen. Ausserdem gibt es feministische Picknicks um 12.00 Uhr und Mobilisierungen um 18 Uhr.