Betreuerinnen in Privathaushalten: ihre Arbeit ist essentiell!

In der Schweiz können viele Betagte oder Menschen mit Behinderung Dank der Arbeit einer Betreuerin oder eines Betreuers zu Hause leben. Diese Berufe sind deshalb ein unverzichtbares Bindeglied in unserem Versorgungssystem. Trotzdem gehen die Betreuerinnen in der aktuellen Corona-Krise vergessen. Sie sind unsichtbar und ihre Bedürfnisse gehen unter.

Bereits unter normalen Umständen werden diese vorwiegend weiblichen Arbeitnehmenden mit Migrationshintergrund diskriminiert: Direkt in Privathaushalten angestellt und wohnhaft, sind sie an ihrem Arbeitsplatz isoliert und unterstehen nicht dem Schutz des Arbeitsgesetzes. Für ihre sehr schwierige aber absolut wichtige Arbeit erhalten sie Hungerlöhne.

Die Folgen der Pandemie sind deshalb umso gravierender für die Betreuerinnen in Privathaushalten:

  • Lohnausfall: Durch die geschlossenen Grenzen, die Ausgangsbeschränkungen und die Angst vor einer Ansteckung der betreuten Personen, können sie oft nicht mehr weiterarbeiten und erhalten einfach keinen Lohn mehr. Auch wenn sie ein Recht auf den Lohn hätten, ist es für sie oft schwierig oder gar unmöglich, diesen bei den Privathaushalten einzufordern. Zudem wird für diese Anstellungskategorie keine Kurzarbeit gewährt, da der Bundesrat den Kreis der Anspruchsberechtigten nicht auf die Hausangestellten ausweiten wollte, wie er es für andere Kategorien getan hat.
     
  • Fehlende Ressourcen: Die Betreuerinnen, die weiterarbeiten, kümmern sich um Menschen, die zu der Höchstrisikogruppe gehören. Sie sind jedoch nicht richtig ausgerüstet, um ihre Arbeit im Kontext einer Pandemie korrekt auszuführen: Die nötigen Informationen über Schutz- und Hygienemassnahmen erreichen sie nicht, oder sind durch Sprachprobleme für sie nur schwer verständlich. Angemessene Schutzausrüstung, wie Desinfektionsmittel, Masken oder Schutzkleidung steht ihnen nicht zur Verfügung.
     
  • Isolation und psychische Belastung: Die bereits unter normalen Umständen schwierigen Arbeitsbedingungen werden noch härter. Die Risikopatient/innen, um die sich die Betreuerinnen kümmern, müssen ihre sozialen Kontakte einschränken um sich zu schützen. Das führt zu noch stärkerer Isolierung der Betreuerinnen (die Angehörigen kommen z.B. nicht mehr zu Besuch) und der Ausgang wird stark eingeschränkt oder ganz gestrichen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Das führt zu einer noch höheren psychischen Belastung und kann schwere Auswirkungen auf die Gesundheit der Betreuenden haben.

Diese Diskriminierung muss gestoppt werden!

Damit die Betreuerinnen in dieser Krise umgehend Schutz erhalten, fordert die Unia:

  • Zugang der Betreuerinnen zu den nötigen Ressourcen für die Arbeit während der Epidemie (Informationen, Schutzmaterial, weitere Unterstützung).
  • Einen Lohnersatz, analog zu jenem der restlichen Arbeitnehmenden in diesem Land.

Längerfristig müssen die Arbeitsbedingungen verbessert und die Gesundheit der Betreuerinnen geschützt werden und zwar durch

  • die Anwendung des Arbeitsgesetz auch auf private Haushalte
  • anständige Löhne

Nur mit guten Arbeitsbedingungen, kann auch eine gute Betreuung garantiert werden!